Christian Jahl - Album "Songs aus dem Dachzimmer"

Eigentlich eher durch groovigen und klassischen Pop-Rock mit funkigem Einschlag bekannt, schlägt Christian Jahl auf dem im Juli bei Monopol Records in Berlin erscheinenden Akustikalbum Songs aus dem Dachzimmer ganz andere Töne an.  Nur mit Gitarre und Gesang werden die Lieder präsentiert, Lieder, die ein breites Spektrum von Folk, Blues und Latin abdecken. Bei Durchsicht der Titelliste fällt auf, dass es einige Tracks gibt, die als Urheber Poeten und Schriftsteller angeben. Was haben denn hier Erich Kästner oder Hanns Dieter Hüsch zu suchen? Wozu ein Prolog und ein Epilog? Diese Tracklist macht somit erstmal neugierig.

 

 

Schnell fällt auf, dass der Gitarrist seiner zweiten Leidenschaft nachgegangen ist, der Lyrik. Zitate verschiedener Autoren werden einzelnen Titeln vorgestellt, die sich inhaltlich jeweils aufeinander beziehen. Sie sind eine Art Appetizer für den Song, stimmen darauf ein. Eine charmante, neue Idee, mit der Emotionen geweckt werden. Die melodiösen Lieder erzählen so Geschichten wie Die Ballade von Doktor Robert mit dem imaginären Doktor Robert, einem absichtlich überzeichneten Geschäftsmann, der eines der Probleme der heutigen Gesellschaft zeigt, die Gier. Mit viel Energie und einer witzigen Pointe erlebt der Hörer mit einem Augenzwinkern die Pleite des Geschäftsmannes, der nie genug bekommen kann. Andere Lieder wie Nur die Zeit formulieren dagegen in schlichter, aber eindringlicher Form Fragen nach dem Mensch-Sein. Allen Stücken ist ein dezenter Tiefgang gemein, der aber nicht aufdringlich daherkommt, was auch an den meist einfachen Popsongstrukturen liegen mag.

 

 

Textlich finden sich kleine versteckte Anspielungen auf deutschsprachige Poeten wie die oben genannten und beispielsweise Hannes Wader oder im Prolog und Epilog, in denen das Studierzimmer aus Goethes Faust in anderer Form zum Vorschein kommt, nämlich als Dachzimmer. Hier scheint sich ein Liebhaber der deutschsprachigen Lyrik und Poesie seinen Hörern vorzustellen, romantisch, ironisch, warmherzig.

 

Songs aus dem Dachzimmer reduziert mit seiner leisen Mischung aus Musik und Sprache jedes Stück auf die grundlegenden Elemente Harmonien, Melodie, Text und nicht zuletzt auf das Spiel mit dem Instrument, der Klassischen und der Westerngitarre.

 

Ein schnörkelloses, direktes Album ohne viel Technik und  großen Produktionsaufwand ist so entstanden. In der heutigen Atmosphäre ist dies wohl eine der lautesten Arten Musik zu machen.